So wirst du zum Barista – Interview mit einem Kaffeenerd

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Einen guten Kaffee trinkt ja eigentlich jeder gern – mit den Kaffee-Tipps von unserem offiziellen Experten, aka Kaffeenerd, wirst auch du ganz fix vom Normalo zum echten Barista!

Wusstest du, dass Starbucks seine Mitarbeiter “Baristi” [Plural für Barista] nennt? Eigentlich schon eher ein gelungener Witz, wenn man bedenkt, dass dort der Kaffee mit einem Knopfdruck aus der Maschine kommt. Ziemlich sicher hat dort auch noch niemand eine ungeröstete Kaffeebohne gesehen, geschweige denn diese dann auch noch mit viel Liebe und Arbeit selbst geröstet.

Genießer oder schneller Konsument?

Bist du ein leidenschaftlicher Kaffeetrinker? Dann habe ich zwei kleine Tipps für dich: Bei Starbucks gibt es höchstens einen Standard-Kaffee, wenn nicht sogar eher schlechten Plörre… Und mein zweiter, etwas ernster gemeinter Tipp: Probiere und experimentiere bei Kaffee – teste viele verschiedene Sorten und Zubereitungsarten aus und werde zum Gourmet! Denn die Tasse Kaffee kann zum Ritual werden, zum wunderbaren Genussmoment im Alltag. Sogar vielleicht zu einer Form der Meditation… Wäre es da nicht wunderbar, wenn auch der Geschmack verzaubern würde?

Es gehts in’s Detail

Im folgenden Gespräch mit unserem Kaffee-Experten und Bonvivant Raphael geht es zwar schon ganz schön in’s Detail… Du kannst dich aber auch einfach zurücklehnen und die schönen Assoziationen auf dich wirken lassen. Wetten, dir schwebt gleich der imaginäre Duft von frischem Kaffee in die Nase?

Wie trinkst du Kaffee am liebsten?

Wie Wein nur tagsüber, ganz langsam getrunken und das schwarze Gold möglichst lange auf der Zunge genießen, zu jeder Situation, besonders gut bei kreativer Arbeit oder zur Pause in der prallen Sonne.
Ein guter Tag ist, wenn die Zunge vom Aufstehen bis zum Nachmittag immer leicht benetzt ist…

Und deine Lieblingszubereitung? Auf was muss ich achten und was brauche ich für den perfekten Kaffeegenuss?

Espresso oder arabischer Mokka ohne Zucker. Wichtig sind alle Faktoren der Zutaten und Zubereitung.
Beim Espresso sind die wichtigsten Aspekte Mühle und die Siebträgermaschine – die müssen richtig gut sein. Die Bohnen müssen vor der Extraktion frisch gemahlen werden. Die Röstung sollte nicht zu lange her sein. Ab drei Tage nach der Röstung ist es perfekt. Der Mahlgrad muss auf die Siebträgermaschine abgestimmt werden. Gutes frisches Wasser zur Extraktion ist Pflicht. Die Siebträgermaschine muss die richtige Temperatur und den richtigen Druck haben sowie die richtige Menge Mehl sind weitere der Aspekte.

Was gibt es für Geschmacksrichtungen beim Kaffee?

Unzählige. Denn Kaffee weist sogar mehr Aromastoffe als Wein auf.

Welchen Kaffee empfiehlst du für: Espresso, Cappuccino, Filterkaffee?

Espresso: ich bevorzuge inzwischen helle und sanft geröstete Bohnen mit komplexen fruchtigen Aspekten. Einsteiger mögen allerdings oft “schokoladige” Röstungen lieber, auch diese sind toll, wenn sanft geröstet.
Cappuccino: Unbedingt kräftigere Röstungen nehmen und es darf auch etwas dunkler geröstet sein, sodass in der ganzen Milch nicht der Aspekt des Kaffees verloren geht.
Filterkaffee: Wie beim Espresso sanft geröstete Bohnen.

Wie entstehen diese Unterschiede? Liegt das nur an der Herkunft, der Bohne  oder auch an anderen Faktoren

Jeder Schritt bis zum Mund hat seinen Einfluss. Die Bohnensorte, das Anbaugebiet und sein Boden, das Wetter, die Ernte, “blend” oder” single”, hell oder dunkel geröstet, die Röstart, die Rösttemperatur, die Röstdauer, die Temperaturkurve beim Rösten, Lagerung, Zubereitung, alles führt in verschiedenen Kombinationen zu unterschiedlichem Geschmack und Qualität.

Was hat es mit dem Mahlgrad auf sich?

Dieser sollte auf das Extraktionsverfahren abgestimmt sein. Mit dem Mahlgrad kann man Geschmack und weiteres steuern egal ob bei Espresso oder Filterkaffee.

Was hat es mit dem Rösten auf sich?

Ein ganz wichtiger Aspekt. Industriekaffee wird oft zu kurz und zu heiß geröstet. Das führt zu einem schrecklichen Geschmack. Kein Wunder also das so viele den Kaffee mit Zucker oder Milch trinken.
Billiger Kaffee ist meist Industriekaffee, daher hier immer lieber etwas mehr bezahlen und zu einer Rösterei gehen die mit Handwerk und Leidenschaft ihre Arbeit macht. Eine gute Rösterei würde schon aus Prinzip die Bohnen nicht so respektlos behandeln.
Eine sanfte Röstung mit einer entsprechend abgestimmten Temperaturkurve huldigt der Bohne viel mehr und sie belohnt einen dafür im Geschmack mit komplexeren, ausgewogenen Noten.

Kann man Kaffee auch selbst rösten und wenn ja, was braucht man dafür alles?

Ja, es gibt diverse Möglichkeiten, allerdings sollte man das wissenschaftlich angehen und ein gewisses Verständnis für Temperatur mitbringen. Man kann in der Pfanne, im Ofen oder in selbstgebauten Trommelröstern rösten. Das Rösten ist einer der wichtigsten Aspekte beim Kaffee und sehr anspruchsvoll daher auch ein Beruf. Zu jeder Sorte sollte man sich ein Röstprofil erarbeiten, welches auch eine zur Bohne passende Temperaturkurve enthält. Viel Muse und Interesse sind aber Voraussetzung.
Der Duft beim Rösten in der Wohnung ist natürlich ein starkes Erlebnis, man sollte es im Leben durchaus mal probiert haben.

Auf den Geschmack gekommen?
Hast du Lust bekommen auch mal mehr über Kaffee zu erfahren? Mittlerweile gibt es fast überall, besonders in den größeren Städten, unabhängige Röstereien, die Barista-Workshops anbieten. Dort bekommst du auf Nachfrage auch die rohen Bohnen, welche du zum selbst rösten benötigst.
Ein bisschen Zeit und Muse in dieses Thema zu investieren lohnt sich definitiv: Ein Getränk, welches du vielleicht täglich mehrmals zu dir nimmst, sollte doch so gut schmecken, wie nur irgend möglich…
Daher – lieber Finger weg von Supermarktkaffees und hin zu deinem persönlichen Lieblingskaffee!
Direkt Schmökern?
Mehr über Kaffee findest du auch auf monZENzine, zum Beispiel hier: Wie koche ich den perfekten Kaffee? Tipps für die Kaffeezubereitung

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