Oh là là: Mutter in Frankreich! Erfahrungsbericht #2

on

Deine Lesezeit: 4 Minuten

Teil 2:

In Teil 2 des Erfahrungsberichts unserer Gastautorin Carla wird es ernst: Die Geburt naht – und mit ihr alle neuen Herausforderungen: Arbeiten, Baby und Partnerschaft, dabei bloß nicht seine Unabhängigkeit verlieren – und „naturellement“ bitte immer schön hübsch gestylt: Mutter in Frankreich

Keine Fragen bitte!

Die Ultraschalluntersuchungen laufen hier so ab, dass der Arzt alle möglichen Messwerte des Babys notiert, Fotos macht, mal 3D, mal schwarz-weiß. Er redet nicht viel, auf Fragen antwortet er mir, ich habe aber das Gefühl dass mich das nicht zu interessieren hat. Bei der letzten Untersuchung in der 24. SSW sagte er mir, mein Kind sei sehr kräftig. Das löste bei mir Panik aus. Ich möchte ein normales Kind, nicht zu klein, nicht zu groß und vor allem nicht zu kräftig.

Das Horrorszenario der Geburt lief in meinem Kopf ab und ich fragte mehrmals nach was denn kräftig bedeutet. Ob er denn wirklich das Wort kräftig meint. Er bemerkte meine Panik und beruhigte mich mit den Worten „Madame, tout va bien.“ Alles ist gut. Dann merkte er noch an, dass ich und mein Freund groß seien und dass es besser sei, ein kräftigeres als ein zu leichtes Baby zu bekommen.
Daraufhin druckte er uns unglaublich viele Bilder aus, immer alles auf A4, da es den berühmten Mutterpass nicht gibt, darunter die 3D Bilder, die ich eigentlich gar nicht so gut finde, alle Messwerte mit Graphen und Prozentangaben wie weit sie über der Norm liegen. Nach deutschen Tabellen liegen aber alle Messwerte im Mittelfeld. Ich stelle mich trotzdem auf ein großes Kind mit großem Kopfdurchmesser ein. Besser so als bei der Geburt überrascht zu werden. PDA hin oder her.

Mami oder Frau? Mutter in frankreich!

Bald gehe ich in den Mutterschutz. Dieser beginnt hier 6 Wochen vor und endet 10 Wochen nach der Geburt. Dann gehen die berufstätigen Mütter wieder in ihren Job zurück. Viele meiner Freundinnen hier empfinden das als Segen, mal wieder raus und unter Leute zu kommen, eine andere Aufgabe zu haben als Windeln zu wechseln oder die Brust bzw. das Fläschchen zu geben, sich intellektuell auszutauschen, sich schick zu machen, eigenes Geld zu verdienen. Nicht nur Mutter, sondern auch Freundin und vor allem Frau sein zu dürfen.
Elternzeit wird nicht gut bezahlt. Vielleicht treibt das die Mütter auch wieder in das Berufsleben zurück. So wie mich. Ich habe keine andere Wahl als nach 10 Wochen wieder zu arbeiten. Ich habe mich allerdings für halbtags entschieden, sprich 20 Stunden pro Woche, der Rest wird mir vom Arbeitsamt komplettiert, da Elterngeld einfach zu gering wäre. Väter haben 11 Tage Elternzeit. Na toll.

Stillen wird zur Herausforderung

Da ich stillen möchte, plagt mich dieses Thema ungemein. Es wird ein riesen Organisationsakt werden, für die zwei Tage in der Woche, an denen ich arbeite, Milch im Vorfeld abzupumpen, genug abzupumpen, auf der Arbeit abzupumpen. Die Brüste legen ja keinen Stopp ein, nur weil du grad keine Zeit hast. Zudem fühle ich mich noch nicht wohl mit dem Gedanken, mein Kind nach so kurzer Zeit in eine Kita zu geben. Dieses Thema ist mir noch ganz klar ein Dorn im Auge. Vielleicht spielt sich aber auch alles ein, vielleicht gefällt mir nachher der Spagat zwischen Job und Mutter.  Ausgelastet zu sein. Sein früheres Leben fortzuführen. Ich sehe ja wie glücklich die Frauen hier damit sind. Es ist eine Frage der Einstellung, von vorherein. Wieso sollte es schlechter sein an sich zu denken? Ist man dann automatisch eine Rabenmutter? Das Wort gibt es übrigens im Französischen nicht.

Schlaf, Kindlein, schlaf!

Ein weiterer Unterschied zu Deutschland ist, dass „man“ das Baby nicht bei sich im Zimmer schlafen lässt. Mit „man“ meine ich die, die ich kenne und wie hier so die allgemeine Grundstimmung ist. Bestimmt gibt es auch französische Eltern, die ihr Baby mit in ihre Zimmer nehmen. Das Kind kommt von Anfang an ins Kinderzimmer. Wenn ich sage, dass ich eine Babybay möchte, werde ich fast ausgelacht, ich werde mich schon noch um entscheiden nach den ersten Tagen ohne Schlaf. Selbst die Verkäuferin bei Orchestra (riesen Babyladen) nannte mich motiviert, als sie hörte, dass ich neben dem Job auch noch stillen statt die Flasche geben möchte, wir uns für waschbare Windeln interessieren und dann noch das Kind an unserem Bett schlafen lassen möchten.

Erstens wird alles anders und zweitens als man denkt!

Sind mein Freund und ich, bzw. mehr ich, da er mit allem einverstanden ist, zu motiviert? Mache ich mir das Leben zu kompliziert nur weil ich diese „deutsche“ Vorstellung vor Augen habe? Sehe ich das alles zu verkrampft, zu „deutsch“?
Ich glaube es gibt viele Dinge, an die ich mich noch herantasten muss. Vor der Schwangerschaft habe ich mir auch vieles anders vorgestellt, als es nun in der Realität ist. Man wird ja nicht ins kalte Wasser geschubst, sondern wird peu à peu den Aufgaben herangeführt. Alles zu seiner Zeit. Und wenn ich merke so oder so geht es nicht, na dann mach ich es eben so, wie es für mich in Ordnung ist.
Egal was in diesem oder jenem Land für normal angesehen wird, wie viele Ratgeber ich gelesen habe und Meinungen von anderen bekomme. Ich mache mir jetzt schon Sorgen um Themen, die in der Zukunft liegen und die bisher jeder mehr oder weniger gut gemeistert hat, wieso sollte es bei mir nicht klappen?

Fazit: Bleib mal locker!

Bisher hatte ich eine tolle Schwangerschaft. Mit Höhen und Tiefen und Gefühlsausbrüchen, die ich nur aus dem TV kenne und immer als gespielt abstempelte. Mir geht es wunderbar, klar habe ich auch meine Wehwehchen wie Rücken- und Symphysenschmerz, Übungswehen bei zu langen Spaziergängen, schlechtere Haut und Kurzatmigkeit. Aber das kleine Wesen in mir verlangt eben seine Tribute und ich bin gern bereit diese zu zahlen. Ich weiß nicht, wie und wann die Schwangerschaft endet, bin aber sehr zuversichtlich. Unterschiede zu Deutschland gibt es genug und zu Genüge, aber müssen diese gleich als schlechter bezeichnet werden? Anders ist toll, es erweitert unseren Horizont, unsere Erfahrungen und nur daran wachsen wir. Wer weiß, vielleicht werde ich ja auch eines Tages eine Schwangerschaft und Geburt in Deutschland erleben. Das wäre mindestens genauso spannend und neu wie hier, anders, aber bestimmt nicht besser.

In Teil 1 nimmt uns Carla durch ihr Gefühlschaos mit: Ganz frisch schwanger und das noch in einem anderen Land, da warten so einige Überraschungen auf unsere Gastautorin.

Wer direkt sehen will, wie es Carla mit ihrer Schwangerschaft und dem Baby so ergangen ist, schaut am Besten gleich mal bei ihr vorbei. Sie betreibt nicht nur einen Instagram-Accountder Fernweh macht, sondern auch einen Youtube-Kanal, in dem sie uns durch ihr französisches Leben als working Mami regelmäßig mitnimmt.



WERBEHINWEIS

*Diese Links führen dich auf die Inhalte meines Gastes, weil es dich vielleicht interessiert, was es dort zu entdecken gibt.
Alle Inhalte in diesem Artikel sind ausschließlich unbeauftragt und unbezahlt.



 

Hat dir der Artikel gefallen? Oder hast du Feedback für unsere Autorin/Autor? Wir freuen uns auf Post von dir an: post@monzenzine.de