Einfach ordentlich: Ausmisten!

on

Deine Lesezeit: 6 Minuten

Der Schlüssel zur Ordnung? Ausmisten! Unsere Autorin Lili kämpft sich durch Berge von Dingen und begegnet dabei so manchen Gurus… Oder sagt dir KonMari etwa nichts?

ICH ZIEH’ INS HOTEL!

Es ist mal wieder so weit: Ich würde am liebsten ausziehen! Wohin? Hmmm, vielleicht einfach in das nächste Hotelzimmer. Dorthin wo das Auge nichts stört. Dort, wo man doch fast alles hat, was man braucht. Und dies ganz ohne die tausenden Gegenstände, die ich so in meiner Wohnung verbuddelt habe.

Okay, bleiben wir realistisch… Ich möchte doch ganz gerne hier wohnen bleiben, aber das tagtägliche Chaos muss ich in den Griff bekommen. Obwohl ich schon darauf achte, nicht allzu viele “Staubfänger” zu horten und ab- und zu mal meinen Kleiderschrank ausmiste [der Körper wird ja mit dem Alter auch nicht kleiner, aber das ist ein anderes Thema], häuft sich immer wieder zu viel Zeug an.

100 GEGENSTÄNDE ZUM LEBEN

Zeit etwas zu ändern. Immerhin gibt es Menschen, die besitzen nur 100 Gegenstände und leben immer noch… Dazu zählen tatsächlich alle Gegenstände, die man so zum Leben  braucht: Kühlschrank, Unterhosen, Taschentücher und Teller. Unvorstellbar, wenn man sich überlegt, was ich alleine in meiner Handtasche mit mir herumschleppe. Damit kratze ich wahrscheinlich schon an der 100er-Marke…

AUSMISTEN MIT KONMARI

Es gibt ja viele Ratgeber zum Thema Ausmisten oder minimalistischem Lebensstil. Ganz groß ist die Autorin Marie Kondo, die mit ihrer KonMari-Methode für Furore gesorgt hat. Wie so oft bei Ratgebern, ist manches vielleicht etwas weit hergeholt, aber mit den wichtigen Dingen hat sie auf jeden Fall Recht: Wofür braucht man das ganze Zeug, dass sich über die Jahre angesammelt hat, aber gar keinen Nutzen oder persönlichen Wert hat?

Grob gesagt geht es bei ihrer Methode darum, einzelne Kategorien auszumisten: Zuerst die Schubladen mit den Socken, dann die mit den Schals und Mützen und wenn dein Kleiderschrank dann nur noch aus Lieblingsteilen besteht, geht es diesen zwar nicht an den Kragen, aber auch hier ist Veränderung angesagt. Nämlich diese möglichst platzsparend [sie faltet nicht, sondern rollt alle Kleidungsstücke und stapelt sie stehend] und sinnvoll aufzubewahren. Erst dann geht es weiter mit der Küche und der Besteckschublade etc…

Natürlich gibt es noch viele andere Herangehensweisen, aber diese “Fangen wir klein an”-Geschichte gefällt mir. Es ist nicht so beängstigend wie die Vorstellung, die komplette Wohnung auf einmal auszumisten. Und viele ihrer Tipps, wie z.B. das gerollte Aufbewahren von Kleidung finde ich testenswert.

DEN SCHWEINEHUND BESIEGEN

Ich habe also angefangen radikal auszumisten, keine Ecke der Wohnung war vor meinem Trieb nach etwas mehr Leere sicher. Meine Tipps und Erfahrungen möchte ich dir natürlich nicht vorenthalten, vielleicht kannst du das ein oder andere für dich mitnehmen? Dabei handelt es sich aber selbstverständlich nur um mein wild gemixtes Vorgehen, welches sich nicht streng nach einer vorgegebenen Methode richtet – Marie Kondo wird es mir verzeihen.

# 1 TEXTILES CHAOS BEKÄMPFEN

Du kennst es sicher auch: Der Flur sieht aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen; Jacken, Schals und Schuhe feiern eine ausgelassene Orgie, von Ordnung keine Spur zu sehen. Hier habe ich mit allen geschlossenen Aufbewahrungsmöglichkeiten (Kommode, Schuhschrank, etc.) angefangen und einfach alles rausgeschmissen. Als alles auf einem Berg lag, habe ich sogleich ein Mottennest gefunden, was mich nur mehr angespornt hat, meine Lieblingsteile zu retten – und alles andere zu entsorgen.1

So eine Ausmist-Aktion eignet sich dann auch gleich hervorragend, um wenig genutzte Dinge, wie Mützen und Schals, nach dem Selektieren direkt in die Wäsche zu geben oder Schuhe mal wieder auf Hochglanz zu polieren. Als Belohnung für die Mühe hast du am Ende gut sortierte Schränke, die du vielleicht mit kleinen Duftsäckchen oder einem Stück gut duftender Seife bestücken kannst. Eine wahre Wohltat, wenn du das nächste Mal deine graue Mütze suchst und sie sofort neben deinem Lieblingsschal – und vor allem gut duftend – findest.

Genauso gehst du natürlich auch in allen anderen Räumen vor, in denen du Textilien aufbewahrst. Ein ausführlicher Artikel zu Minimalismus im Kleiderschrank [Stichwort “Capsule Wardrobe”] folgt.

#2 KÜCHE

In der Küche fiel mir das ausmisten am schwersten, denn hier gibt es Dinge, welche man unter Umständen nur einmal im Jahr braucht, sie aber trotzdem nicht entsorgen1  möchte. Am besten du findest einen Ort, der etwas abseits von den ständig genutzten Aufbewahrungsmöglichkeiten liegt und bewahrst dort eben solche Dinge [Ausstecherle, Waffeleisen, Spritztüte, etc.] auf, die du nicht ständig benötigst. Umgekehrt machst du es mit deinen Lieblings-Küchen-Tools: Diese sollten super einfach zugänglich sein und nicht extra mühevoll irgendwo verstaut werden müssen.

Einfacher fiel es mir zum Beispiel mit den Gläsern und Tassen: Wie viele Tassen und Gläser sammeln sich mit der Zeit an? Und welche benutzt man am meisten? Überlege, ob es dir wichtiger ist, ein passendes Service zu habe oder ob du lieber einzelne Lieblingsstücke behältst. Alles andere kann weg.

#3 FENSTERBÄNKE

Ist dir schon einmal aufgefallen, dass Fensterbänke oft die Friedhöfe des Krimskrams sind? Bei mir in der Küche fand ich ein Sammelsurium an Rezeptheftchen oder einzelnen Blättern, Feuerzeuge, Blumensamen, Kugelschreiber. Dazu noch eine nie benutzte Lampe, leere Batterien und eine Obstschale. Genau ein Ding hat auf der Fensterbank eventuell eine Daseinsberechtigung und würde – ohne den ganzen anderen Krams – auch sicher ganz hübsch dort aussehen. Zeit also, die Obstschale in den Fokus zu setzen und für alles andere einen neuen Platz zu finden.

#4 SCHREIBTISCH

Da der Schreibtisch – oder vielleicht besser gesagt der Arbeitstisch – ein eigener Mikrokosmos ist, gibt es hierzu auch einen eigenen Artikel. Lass‘ dir aber gesagt sein, dass auf den Schreibtisch nur das gehört, was du wirklich JEDEN TAG benötigst. Dazu gehören bestimmt nicht der Spitzer in Herzform oder zwanzig verschiedene Stifte. Wenn du nun unbedingt das kleine Faultier-Kuscheltier dir gegenüber sitzen haben willst, damit es dir bei der Arbeit zuschauen kann, dann lass’ es dort. Es soll aber keine Familie mit Bonbons, Nasenspray, Schmierpapier und uralten Rechnungen gründen.

# WOHNZIMMER

Im Wohnzimmer findet sich meistens das krasseste Sammelsurium an verschiedenen Dingen… Das Bücherregal, das Sideboard, etc. – alles Plätze, in denen man die letzten Jahre so einiges schnell verstecken konnte! Am besten du fängst hier auch mit einem Möbelstück an, räume alles aus und sortiere dann in Ruhe aus. Viele Bücher fand man vielleicht doch nicht so gut, dass man sie nochmal lesen wollen würde, aber vielleicht hat ja die Freundin Interesse daran? Und die Duftkerzen-Sammlung ganz hinten im Schrank muss ja nicht direkt weggeschmissen werden, wie wäre es denn mal damit, sie einfach mal anzuzünden und somit einfach aufzubrauchen?

# BADEZIMMER

Hier fiel mir das Tabula Rasa recht einfach: Angefangen mit der Ablage in der Dusche habe ich alle Produkte, die ich nicht täglich benutze, in eine Tüte gepackt; diese werden nach und nach aufgebraucht. Denn wer braucht wirklich fünf verschiedene Duschgels und drei Shampoos?

Dann bin ich auf die Suche nach abgelaufenen Produkten gegangen, denn gerade im Badezimmer gibt es vieles, was aufgebraucht werden kann – und auch muss: Cremes, die ranzig sind, oder Lippenstifte, die schon 10 Jahre alt sind, tun dir einfach nichts Gutes.

Was ich nun aber an meinem “neuen” Badezimmer so schätze: Ich liebe alle Produkte, die ich sehe und freue mich, sie zu verwenden. Meine kleine Make-up-Sammlung, welche offen am Waschbecken steht, enthält nur Produkte, die ich täglich brauche, alles andere hat seinen Platz im Schrank gefunden. Natürlich auch hier nach Kategorien sortiert und beträchtlich dezimiert. Eine wahre Wohltat für die Augen und auch viel praktischer beim Putzen!

DIE WICHTIGSTEN GRUNDREGELN ZUSAMMENGEFASST:

KATEGORIEN

Mach’ langsam: Es reicht, wenn du dir EINE Schublade vornimmst, es muss nicht gleich der ganze Schrank sein. Bleibe aber bis zum Ende dran und verzettel’ dich nicht, indem du die halb aufgeräumte Schublade so lässt und stattdessen mit dem Keller weitermachst. Lieber kleine Erfolge feiern und einzelne Kategorien abarbeiten.

ALLES RAUS

Es hilft nichts: Wenn du richtig Ordnung machen willst, muss alles erstmal herausgeräumt werden. Egal ob es sich um die Sockenschublade oder das Bücherregal handelt, der riesengroße Berg wird dich zwar zum Verzweifeln bringen, aber am Ende ist das Ergebnis umso besser.

JEDEM TEIL BEACHTUNG SCHENKEN

Hast du den Berg vor dir, ist es wichtig, jedes einzelne Teil in die Hand zu nehmen und dabei folgende Fragen zu stellen:

JEDES TEIL HAT SEINEN PLATZ

Wenn du dich bei jedem Teil fragst “Sag mal, wo ist denn überhaupt dein Platz bei mir?” wird dir auffallen, dass es so manche Dinge gibt, die einfach keinen Platz haben. Entweder du schaffst nun einen sinnvollen Platz [alte Batterien kannst du z.B. beim Leergut sammeln und beim nächsten Supermarktbesuch entsorgen1] oder es muss raus.

EINZELNE AUFTEILUNGEN

Praktisch fand ich es, meine Kategorien neu aufzuteilen, beispielsweise im Kleiderschrank kleine Kistchen, Schuhkartons, etc. zu nutzen, um dort mehr Ordnung hereinzubringen. So kann auch auf kleinem Platz besser organisiert werden, wenn die Abteilung mit den Oberteilen nochmal in “ärmellos”, “Spaghettitops”, “T-Shirts” aufgeteilt wird. Auch die Aufbewahrung im gerollten Zustand funktioniert so wesentlich besser.

DER ZWECK

Schön ist es, wenn ein Gegenstand einen eindeutigen Zweck hat. Zum Beispiel der Pizzaschneider: Den brauchst du täglich, weil du deine Pizza nicht mit dem Messer schneiden willst – okay, ist akzeptiert. Den zweiten und dritten Pizzaschneider brauchst du aber ebenso wenig wie die Pizzaschere und die Pizza-Frischebox aus Plastik. Unnötiges oder doppeltes Zeug kann also weg.

HAB ICH DICH LIEB?

Vielleicht ist das Faultier-Kuscheltier auf deinem Schreibtisch nicht der praktischste Gegenstand. Du brauchst ihn nicht zum Überleben, nicht mal zum Schreiben oder für andere Zwecke. Aber du hast ihn gerne, denn er sitzt so trollig da, dass er dich jedes Mal zum Lachen bringt und motiviert. Frage dich also nicht nur, ob du das Ding brauchst, sondern auch ob es dir unter Umständen emotional so viel bedeutet, dass du nicht darauf verzichten kannst.

VERSCHIEDENE STAPEL

Während du ausmistest, können verschiedene Stapel hilfreich sein. Aber beschränke dich nur auf die wichtigsten: “Aufheben”, “Verschenken/Spenden”, “Entsorgen1“. Ein Stapel “Überlegen” sollte nur im absoluten Notfall angelegt werden und dies auch nur mit Entscheidungs-Deadline.

KONSEQUENT SEIN

Eben angesprochen: Sei konsequent! Du hast das Ausmisten nicht angefangen, um am Ende nur zwei Teile herzugeben. Wenn du ein echtes Ergebnis sehen willst, musst du mehr entsorgen1 als behalten. Wegwerfen ist kein Zwang.

Und last but not least: Konsequent sein heißt nicht, dass du dich zwingen musst, Dinge wegzuwerfen, die du vielleicht doch einfach gerne behalten möchtest. Diese kannst du, wenn sie eigentlich durch die “Prüfung” gefallen sind, in einen Karton packen und in den Keller stellen. Wie aber auch schon erwähnt, solltest du, wenn du wirklich ausmisten möchtest, dies aber auf einige wenige Teile beschränken.

1 “Entsorgen”, damit meine ich nicht das stupide Wegwerfen von Dingen, sondern einen verantwortungsvollen Umgang mit den Dingen, die man nicht mehr benötigt..

Photo by Andrej Lišakov on Unsplash

Hat dir der Artikel gefallen? Oder hast du Feedback für unsere Autorin/Autor? Wir freuen uns auf Post von dir an: post@monzenzine.de