Wer macht eigentlich meinen Lieblingswein?

Ein Interview mit der jungen Winzerin Ina Luisa Wihler
Foto von Ina Luisa Wihler
Foto von wihlerwein.com

Ich träume von einem biodynamischen Betrieb.
Gutes und Nachhaltiges für Körper, Geist und Seele.

Ich glaube, irgendwann packt es fast jeden: Aus den Alkopops, Mixbieren und Sahnecocktails wird die Flasche Wein. Bei manchen früher, bei manchen später, selten vielleicht auch nie.
Aber wer erstmal auf den Geschmack gekommen ist, der hat einen Begleiter für das restliche Leben gefunden. Ob zum Essen oder einfach in geselliger Runde, vielleicht auch mal als kleiner Tröster bei Herzschmerz und Co: Wein geht eigentlich immer.

„Wer Wein genießt, kostet Geheimnisse.“

S. Dali

Dabei verhält es sich mit dem Wein ähnlich wie in der Mode: Die Trends variieren und ambitionierte Weinmacher „designen“ ihre Tropfen vom Inhalt bis zum Etikett. Hat man als begeisterter Weintrinker seine Lieblingsweine gefunden, kann man sich recht schnell mit nichts anderem mehr anfreunden.

Wein trinken geht auch ganz ohne Klugscheißerei.Schnösel muss man ebenfalls nicht sein. 

In vielen Regionen der Welt gehört der Wein einfach zur Tradition und hat gar nichts mit den schicken Weinbars der Metropolen zu tun. Die Welt der Weine ist so vielfältig, wie die Tropfen selbst. Man muss kein Kenner sein um Freude am Genuss zu haben, ein paar Basics helfen aber definitiv um immer die richtige Wahl zu treffen.

Ina luisa wihler – Eine Winzerin mit Leidenschaft

Unser heutiger Gast Ina Wihler steckt hinter wirklich außergewöhnlichen Weinen, die einen absoluten Wiedererkennungswert haben. Ein Wein, den man sich merkt – was auch der Grund dafür ist, dass ich Ina schon lange auf meiner Liste der inspirierenden Frauen hatte, welche ich gerne zu einem Interview einladen wollte.

Daher freut es natürlich sehr, dass sie uns heute ein paar Fragen rund um den Wein beantwortet, aber auch über ihre Arbeit in einem eher männerdominierten Beruf.

Wer steckt eigentlich hinter meinem Lieblingswein

Liebe Ina, vielen Dank dass du dir heute die Zeit für unser Interview nimmst. Hast du momentan sehr viel Arbeit? 

Hey liebe Lili, ja wir haben sehr viel zu tun, der ökologische Pflanzenschutz fordert es präventiv zu arbeiten, Dazu kommt die gesamte Laubarbeit, da die Rebe eine Lianenpflanze ist und dem Licht entgegenstrebt muss man diese quasi „erziehen“. Die Weinlese wir dieses Jahr schon früh beginnen und die Arbeiten rund um die Rebe sollten immer punktgenau durchgeführt werden. Die Weine im Fass und Tank müssen auch betreut und gefüllt und etikettiert werden…Also ist immer etwas zu tun.

Kannst du dich unseren noch  Lesern kurz vorstellen? Wer steckt hinter den (tollen) Etiketten deiner Weine?

Mein Name ist Ina Luisa und ich stamme aus Ihringen am Kaiserstuhl, ganz im Süden Deutschlands, eine wunderschöne Weinregion. 

Die Etiketten hat der talentierte, junge Künstler Michael Genter aus Freiburg für mich gemacht. Es sind u.a. Porträts der Frauen aus meiner Familie, die sich um Weinberg und Reben gekümmert haben und eine Passion für das Endprodukt hegen bzw. schon immer hegten.

Wein von starken Frauen

Wie kamst du zum Wein? Stammst du aus einer Winzerfamilie? Und welche Ausbildung hast du durchlaufen?

Meine Oma hatte einen Winzerbetrieb (wie viele in Ihringen), wovon sie und ihre Töchter lebten. Ihr Mann, mein Großvater, verstarb schon in jungen Jahren, weshalb sie so ziemlich auf sich gestellt waren. Gemeinsam mit meiner Großtante haben sie das jedoch ganz gut gemanaged.
Die Weißburgunder Linie trägt deshalb Ihre Porträts, in charakterlicher Abstimmung zum Wein wie sich versteht…Mein Vater unterstützt mich und war jahrelang Kellermeister und ist Betriebsleiter eines großen Weingutes in Ihringen. Das Thema Wein war immer Hauptbestandteil am Tisch. 

Ich entschied mich nach dem Abitur die Reben meiner Oma zu übernehmen, eigentlich wollte ich etwas anderes machen, aber sie wurde krank und mir tat es sehr Leid alles zu verpachten…
Weil es eben was besonders Schönes ist in und mit der Natur zu arbeiten. So machte ich verschiedene Praktika in der Kellerwirtschaft und Weingutsverwaltung und entschied mich für den Geisenheimer Studiengang „Internationale Weinwirtschaft“ mit der Überlegung selbst Wein zu produzieren, am besten irgendwann ökologisch und mit eigenem, besonderen Label um eine gewisse Zielgruppe anzusprechen, die sich für qualitativ hochwertige und Bio-Weine begeistert…

Kein Tag gleicht dem Anderen

Gibt es einen typischen Tag in deinem Arbeitsleben? Magst du ihn uns kurz schildern? Welche Arbeiten sind deine liebsten?

Da ich meinen eigenen Weinbetrieb im Nebenerwerb bewirtschafte ist ein Arbeitstag sehr vielseitig. Je nachdem was anfällt, kann es sein dass ich morgens Laubarbeiten mache und nachmittags/abends dann die Reben spritze, um sie vor Pilzkrankheiten zu schützen. Es kann auch sein dass wir bis sehr spät abends im Weinberg sind, etikettieren, kleine Mengen Wein von Hand füllen und verpacken, so dass man am nächsten Tag den Kunden beliefern kann. Natürlich gehören Weinproben auch dazu. Ebenso planen und besprechen, was alles gemacht werden sollte.
Im Januar beginnen wir mit dem Rebschnitt, Anfang September ist dann die Lese i.d.R. und das ist eine sehr intensive Arbeitszeit. Weinproduktion erfordert viele kleine Arbeitsschritte, die sich nicht kurz zusammenfassen lassen…:) 

Foto von wihlerwein.com
Ist Wein eine Männerdomäne?

Von außen betrachtet, scheint es ungewöhnlich, wenn eine junge, hübsche Frau eigenen Wein macht. Man stellt sich eher den typischen Winzer, einen wettergegerbten Herren mittleren Alters vor. 😉
Hast du oder hattest du mit Vorurteilen zu kämpfen? Oder ist es heutzutage gar nichts besonderes mehr, dass eine Frau in diesem „Männerberuf“ Erfolg hat?

Mittlerweile gibt es mehr Winzerinnen, ich denke die Frauen trauen sich mehr und ihnen wird allgemein mehr zugetraut, wie in allen Berufen, in welchen Männer dominieren. Vorurteile aus männlicher Sicht sind mir bisher noch nie begegnet, eher positive Resonanz. Ich glaube die meisten Winzer finden das gut wenn auch Frauen als Winzerinnen oder Önologinnen arbeiten. Das nimmt tendenziell ab, dass Berufe geschlechtlich zugeordnet werden.
Wobei ich sagen muss, Technik hilft viel, aber es gibt gewisse Arbeiten, da ist es eine Zeitersparnis und wirklich gesünder wenn man einen Mann mit deutlich mehr Kraft zur Seite hat. 

Tipps für Einsteiger und Liebhaber

Welchen Tipp würdest du einem Wein-Einsteiger geben? Welche Rebsorte oder Anbaugebiet schmeckt so gut wie jedem?

Unkomplizierte, fruchtbetonte Rieslinge oder Grauburgunder bzw. Rosés die mind 3,5 g/ L Restzucker haben und im Edelstahltank klassisch ausgebaut wurden. Damit kann man gut einsteigen.

Und gibt es vielleicht auch einen Insidertipp für „Weinexperten“? Etwas, dass man auf jeden Fall probiert haben sollte? Eine spannende Neuentdeckung einer Region vielleicht?

Was ich sehr spannend finde, sind biodynamische Naturweine, etwa aus dem Burgund/Maconnais die „Bret Brothers“, erhältlich bei „Vin Naturel“.
Explosion im Mund verschafft ein maischevergorener Orangewein, einer meiner Favourites der Riesling aus der „Domäne Wachau“ in Österreich (ich selbst habe einen maischevergorenen Weißburgunder aus der Tonamphore, weil mich das so fasziniert „Nature“) …Natürlich kann es auch ein gehaltvoller, mineralischer Kaiserstühler Weißburgunder oder Chardonnay, aus dem Barrique sein…am Besten dezent filtriert 

Falls der ein oder andere Leser Appetit bekommen hat – wo findet man deine Weine?

Bei Davides „Raum & Wein“ in Frankfurt, im „Glygg“ in Wiesbaden bei Marcus Wenig, sowie momentan im „Goldenen Anker“ in Heidelberg ein geniales Restaurant von Mario Lehmann. Gerne auch bei uns auf der Website bestellen oder vorbei kommen am schönen Kaiserstuhl.

Eine Frau mit Mission

Wo siehst du dich in zehn Jahren? Hast du eine Mission?

Mein 15 JAHRES-PLAN steht, ja aber so viel dazu, ich träume von einem biodynamischen Betrieb, das erfordert jedoch einen Kreislauf, sozusagen eine „Ganzheit die sich ergänzt“ für mich und die Dir und deinem Umfeld Gutes und Nahhaltiges schenkt für Körper, Geist und Seele eben… Und da wächst man langsam rein, also quasi ein Prozess wird dabei durchlaufen…

 


Wer mehr über Ina und ihre Weine erfahren will,
schaut am Besten mal auf ihrer Seite  vorbei
oder besucht einer ihrer Tipps und trinkt ihren tollen Wein direkt vor Ort.

 

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