Das erste Mal schwanger – und dann noch im Ausland! #1

on
Deine Lesezeit: 5 Minuten
Teil 1:

Unsere Gastautorin Carla vom Youtube Kanal “TinyMe Carla” hat ein echtes Abenteuer erlebt: Die erste Schwangerschaft ist ja für viele schon aufregend genug… Wenn diese aber noch im Ausland stattfindet, ist alles doppelt neu. Dafür muss man nicht mal einmal um den Globus reisen – unser Nachbarland hatte in Sachen Schwangerschaft und Vorsorge so einige Überraschungen zu bieten. Ein Erfahrungsbericht: Schwanger in Frankreich.

Frankreich – das “so ganz andere” Nachbarland

Seitdem ich schwanger bin, frage ich mich viel häufiger nach meinen positiven und negativen Eigenschaften, versuche meine Kindheit noch einmal zu analysieren und schreibe innerlich Listen mit Dingen, die ich unbedingt meinem Kind weitergeben möchte oder eben auch nicht.
Gar nicht so einfach, vor allem wenn dein Partner aus einem anderen Land und anderer Kultur stammt. Das hört sich jetzt total weit weg an, ist es aber gar nicht. Oder doch?
Die Rede ist von Frankreich.

Jetzt werden sicher einige denken, dass Frankreich doch gar nicht so anders sei als Deutschland. Nachbarländer, westliche Kultur etc. Aber glaubt mir, es ist ein Unterschied wie Tag und Nacht. Damals bin ich nach 2 Jahren Auslandsaufenthalt aus Frankreich wieder nach Deutschland gezogen, weil mich eine riesen Welle von Unverständnis überrannte, ich in das bekannte Tief des Kulturschocks fiel und kein bisschen Positives mehr an diesem Land und der Kultur sah und ich nach Antworten nur so schrie! Alles war auf einmal in Frankreich schlecht und ach so toll in Deutschland und ich wollte unbedingt zurück.

Während meines Studiums der mehrsprachigen Kommunikation für Französisch und Spanisch in Köln, habe ich dann viele Antworten diesbezüglich gefunden. Ich bin so froh mich dafür entschieden zu haben, Frankreich und meinem Freund drei Jahre den Rücken gekehrt zu haben, um dann gewappnet zurückzukommen. Mit Verständnis und Entschiedenheit und Gewissheit, mit einer Bedenkzeit von drei Jahren und allmählich zurückkehrendem Fernweh im Rücken. Das hilft mir heute ungemein, wenn das Tief mal wieder zuschlagen möchte.

„Es ist eben nicht so wie bei uns.“

Diesen hochnäsigen Satz verabscheue ich zutiefst. Dieser Satz kommt von Leuten, die nicht über den Tellerrand schauen.
Zugegeben, ich habe diesen Satz oft benutzt, damals, als ich es noch nicht besser wusste. Diesen Satz höre ich ständig von Familie und Freunden aus Deutschland, die selbst noch nie für längere Zeit im Ausland waren, wenn ich ihnen von Frankreich erzähle. Ob es der französische Baustil, die Fahrweise, die Arbeitshaltung, die Infrastruktur oder die Krankrenversorgung ist. Nichts kann so gut sein wie in Deutschland. Von vornherein nicht. Abgelehnt. Kopfschütteln. Bemitleidender Blick. Ich merke wie mich das kränkt. Wer lebt schließlich gern an einem Ort, den deine Liebsten als „schlechter“ bezeichnen, weil sie nie gelernt haben, dass anders nicht gleich schlechter heißt. Aber ich kann euch beruhigen. Wenn ich den französischen Freunden hier von Deutschland erzähle, bekomme ich die gleichen hochnäsigen Sätze wie von meinen Landsleuten. Der bemitleidende Blick ist inklusive.

Vermutlich wird jede Schwangere, egal wo, eine andere Schwangerschaft durchlaufen. Dieser Bericht beruht also auf meiner bisherigen Erfahrung, ich möchte nichts pauschalisieren und vor allem niemanden kränken. Bei mir war das aber so:

Und jetzt? Schwanger!

Jetzt bin ich schwanger. Und zwar in Frankreich. Und ich bin sehr froh darüber. Wäre ich genauso in Deutschland, aber es ist wie es ist.
Ich fühle mich hier sehr gut aufgehoben und behandelt, natürlich habe ich keine persönlichen Erfahrungen, wie eine Schwangerschaft in Deutschland abläuft, aber von vier Freundinnen, die gleichzeitig mit mir schwanger in Deutschland sind, stehe ich in ständigem Kontakt und erfrage und vergleiche natürlich ständig, wie es denn so bei ihnen abläuft. Zudem tausche ich viele Informationen mit meiner Mutter aus, die in Deutschland bei einem Frauenarzt arbeitet, mir Infomaterial und die in Deutschland obligatorischen und nicht wegzudenkenden Tabletten wie Folsäure und Eisen zuschickt und die mir auf Nachfrage die Normwerte von deutschen Babys nennt und mich damit beruhigt, dass die Messwerte meines Kindes im deutschen Mittelfeld liegen und es nicht sehr groß und kräftig ist, wie es hier nach jeder Untersuchung heißt.

Gefühlschaos der Extraklasse

Als ich morgens auf der Toilette saß und plötzlich unerwartet zwei Striche auf dem Schwangerschaftstest sah, durchlief ich ein Gefühlschaos der Extraklasse.
Ein paar Tage später saßen mein Freund und ich beim Frauenarzt, es wurde ein vaginaler Ultraschall durchgeführt und wir waren völlig baff, dass ich bereits in der 7. Woche schwanger war. Das Herzchen klopfte wie verrückt, meins und das meines Freundes ebenso. Es war ganz deutlich zu hören, wie Pferdegalopp. „Ah, ça bat vite, hein?!“, sagte der Gynäkologe und mir wurde wieder heiß und kalt zugleich. In einem anschließendem Gespräch befragte er mich dann nach meinem Zyklus, rechnete am PC den Geburtstermin auf den 27.5.2017 aus, die Empfängnis solle demnach also am 27.8.2016 gewesen sein.

Ich fand es aber verwunderlich, wie er auf diese Daten kam, zumal doch mein erster Tag der letzten Regel bereits am 5.8. war. Egal, er weiß schon was er da macht. Die Sprechstundenhilfe druckte mir einen Zettel aus, auf dem bereits alle Termine bis zur Entbindung standen, Ultraschalltermine, Diabetestests, Nackenfaltenmessung, Hebammenbesuche, Behördengänge. Es war alles durchgeplant, zum Glück, denn ich wäre völlig überfordert gewesen, diese Termine von mir selbst aus vereinbaren zu müssen. Ich wusste ja nicht was bei so einer Schwangerschaft alles zu beachten und testen ist. Zudem gab es ein Formular, welches ich der Familienkasse für Unterhalt und dem Arbeitgeber ausgefüllt zukommen lassen sollte. Nur damit habe ich Anspruch auf Kindergeld, Elternzeit, die Geburtsprämie und am wichtigsten, dass die Schwangerschaft komplett von der Sozialversicherung übernommen wird. Man teilt also dem französischen Staat die Schwangerschaft offiziell mit. Wer das versäumt, hat schlechte Karten.

Der Vorsorge-Marathon

Einmal pro Monat muss ich also nüchtern ins Labor, dort wird mein Urin und Blut untersucht. Auf Antikörper, da ich A negativ bin und mein Freund A positiv ist, auf Toxoplasmose und zig andere Dinge. Meine Mutter ist schon ganz verwundert wie oft mein Blut untersucht wird und wie oft ich Termine beim FA und Hebamme habe. Das stimmt, jeden Monat hab ich mindestens drei Termine für die Vorsorge, ob beim Arzt, im Labor oder bei der Hebamme.

Meine Hebamme durfte ich mir selbst aussuchen, das habe ich ganz einfach die geografische Lage entscheiden lassen und bin sehr zufrieden. Unser erstes Gespräch ging 1,5 Stunden, da sie mich alles erfragte und wissen wollte. Wie ich mich fühle, ob ich hier sozialen Anschluss habe, über meinen familiären Hintergrund, den meines Freundes, ob ich Heimweh hätte, sexuell missbraucht wurde und so weiter. Das gefiel mir gut, ich habe mich gut aufgehoben gefühlt. Sie sagte es sei wichtig das alles zu erfahren, das spiele nachher eine große Rolle für die Hebamme, die die Geburt durchführen wird.

Ich habe mich direkt in ihrem Kurs für Yogastunden angemeldet und gehe seitdem regelmäßig, neben den Routinekontrollen, zum Yoga. Bald kommen Aufklärungsstunden für mich und meinen Freund bei ihr hinzu, da wird sie uns in 4 Sitzungen die Abläufe und wichtigsten Schritte der Geburt und alles was davor und danach zu beachten ist, erklären.

Wann denn nun?

Zu Weihnachten in Deutschland habe ich die Chance genutzt, bei meinem ehemaligen Frauenarzt einen Termin zu vereinbaren, aus Neugierde, um zu schauen was er so meint. Nach der Untersuchung nannte er mir den 11.5.2017 als Geburtstermin und ich war völlig durcheinander. Mehr als 2 Wochen Unterschied! Er verstand auch nicht wieso in Frankreich ein ganz anderes Datum genannt wurde, es sei aber ganz sicher um den 11.5.2017.
Total verunsichert und verwirrt suchte ich tagelang nach Antworten im Netz und durchforstete Foren, logisch, da ja weder der Arzt in Deutschland noch der Arzt in Frankreich eine Erklärung hatten.  Dabei ist die Antwort so einfach und plausibel. Auf Arte habe ich eine schöne Erklärung dazu gefunden. In den beiden Ländern hält man sich an unterschiedliche Statistiken, wie lange eine Schwangerschaft dauert. Wen es interessiert, hier der Link zum Video.

In Erfahrungsbericht TinyMe Carla Teil 2 wird es ernst: Wenn das Baby erstmal da ist, gehen die Unterschiede zwischen den Ländern nahtlos weiter… Oder wieso gibt es das Wort “Rabenmutter” im Französischen erst gar nicht?

Wer direkt sehen will, wie es Carla mit ihrer Schwangerschaft und dem Baby so ergangen ist, schaut am Besten gleich mal bei ihren Kanälen Tinyme Carla vorbei. Sie betreibt nicht nur einen Instagram-Account* der Fernweh macht, sondern auch einen Youtube-Kanal* , in dem sie uns durch ihr französisches Leben als Neu-Mami regelmäßig mitnimmt.



WERBEHINWEIS

*Diese Links führen dich auf die Inhalte meines Gastes, weil es dich vielleicht interessiert, was es dort zu entdecken gibt.
Alle Inhalte in diesem Artikel sind ausschließlich unbeauftragt und unbezahlt.



Hat dir der Artikel gefallen? Oder hast du Feedback für unsere Autorin/Autor? Wir freuen uns auf Post von dir an: post@monzenzine.de