Behalte Geheimnisse für dich – es lohnt sich!

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Ein kleines Geheimnis ist etwas tolles! Aufregend, peinlich oder großartig: Es sitzt in deiner Seele, aber statt es sich bequem zu machen, will das Geheimnis so schnell wie möglich raus… Jemandem ein Geheimnis anzuvertrauen, das ist Nervenkitzel pur, denn man weiß nie, ob das Geheimnis dort auch bleibt – oder ob es wieder nur auf die nächste Gelegenheit wartet, an die frische Luft zu kommen.

Dabei lohnt es sich, wenn du es schaffst, Geheimnisse [die dir anvertraut wurden] wirklich für dich zu behalten! Wieso? Das erzähle ich dir im Folgenden:

Die Sache mit den Geheimnissen

Streng genommen bleibt dein Geheimnis nur so lange eines, bis du es erzählst… Hast du also ein Geheimnis, dass wirklich niemand [WIRKLICH NIEMAND] wissen soll, dann ist die beste Taktik, es tatsächlich nicht zu erzählen.

Denn du kannst sicher sein, Geheimnisse sind dazu gemacht, weitererzählt zu werden!

Wenn du nicht willst, daß jemand davon erfährt, dann laß es sein.

-Aus China

Wieso wollen Geheimnisse weitererzählt werden?

Du kennst doch bestimmt den Nervenkitzel, wenn dir deine beste Freundin oder dein bester Freund, dir ein wirklich sensationelles, skandalöses Geheimnis erzählt. Du kannst es vielleicht gar nicht fassen und es brodelt richtig in dir, so sehr beschäftigt dich diese neue Erkenntnis!

Eigentlich unmöglich, es für dich zu behalten, denn es gärt und blubbert ja nur so in deinem Bauch – und irgendwann ist es soweit: Du hältst es nicht mehr aus – zum Glück gibt es aber ja noch eine andere beste Freundin oder besten Freund, du kannst nicht anders und vertraust ihr/ihm das Geheimnis an. Natürlich nur mit einem Schwur, dass es wirklich [ALSO WIRKLICH] unter euch bleiben muss.

Die wundersame Vermehrung des Geheimnis

Kannst du dir vorstellen, was jetzt kommt?

Sobald ein Geheimnis erzählt wurde, ist es keins mehr, denn nur die wenigsten Menschen schaffen es, Geheimnisse wirklich für sich zu behalten. Es gibt einfach zu viele Gründe, wieso man geradezu gezwungen wird, Geheimnisse weiterzuerzählen. Sei es, weil man jemanden braucht, mit dem man darüber reden muss, weil es einfach zu schwer wiegt und einem nicht gut tut. Vielleicht wird man auch direkt danach gefragt und schafft es dann einfach nicht zu lügen. Man versucht drumherum zu reden und merkt viel zu spät, dass man sich eigentlich schon verplappert hat. Oder einfach, weil man denkt, dass derjenige, dem man das Geheimnis weitererzählt, den Betroffenen, also den Urheber des Geheimnisses, ja sowieso nicht kennt. Gefahr erkannt – Gefahr gebannt: Es gibt immer gute Gründe, weshalb man sich sicher ist, dass bei XY das Geheimnis gut aufgehoben ist.

Da das aber fast so gut wie jedem so geht, sind Geheimnisse sehr schnell öffentlicher als der Bildzeitungs-Titel.

eigene und fremde Geheimnisse

Deine eigenen Geheimnisse schlummern in dir und wollen irgendwann vielleicht irgendwann raus gelassen werden. Dies ist dann aber deine eigene Entscheidung und tut dir vielleicht auch richtig gut. Du kannst ja selbst am besten abschätzen, wem du das Geheimnis anvertraust und ob du in Kauf nehmen willst, dass es unter Umständen bald auch noch ein paar andere Menschen wissen.

Ein Geheimnis das dir anvertraut wurde, sollte aber noch mal ganz anders behandelt werden. Es ist ja gewissermaßen ein Geschenk, ein Vertrauensvorschuss. Erzählst du dieses dann weiter, enttäuschst du sehr wahrscheinlich den Menschen, der dir dieses Vertrauen entgegen gebracht hat.

Woran du Tratsch-Taschen erkennst:

Ich gebe es ja zu, ich liebe es, wenn mir Geschichten von anderen Menschen erzählt werden. Egal, ob ich sie kenne oder nicht, ich bin entzückt, wenn ich höre, dass XY Vierlinge vom Tennislehrer bekommt, obwohl ihr Freund ihr erst vor zwei Wochen einen Heiratsantrag gemacht hat, nachdem er seine vorherige Frau seinem Bruder ausgespannt hat. Kommt dir bekannt vor? Völlig uninteressante Menschen und Geschichten, die spannend werden, weil du sie unter dem Deckmantel des Geheimnisses erzählt bekommst.

Du kannst dir aber sicher sein: Personen, von denen du immer solche Geschichten erzählt bekommst, werden eben auch deine Geheimnisse genauso brühwarm weitererzählen.

Wie du mit Geheimnissen umgehen kannst:

Wurdest du zu einem Geheimnisträger, aber du merkst, dass es dir damit nicht gut geht. Sei es, weil du – um das Geheimnis zu wahren – zu Lügen greifen musst oder weil es dich einfach zu sehr belastet? Die fairste Variante wäre, mit dem Urheber des Geheimnisses zu reden.

Frage ob es in Ordnung ist, wenn du dich zum Beispiel deinem Partner oder einem Elternteil anvertraust. Einem Menschen, bei dem du tatsächlich sehr sicher sein kannst, dass das Geheimnis gut gewahrt ist. Ist dies keine mögliche Option könntest du dir auch professionelle Hilfe suchen. Es gibt mehrere Berufsgruppen, die zum Schweigen verpflichtet sind. Beispielsweise aus dem religiösen Bereich oder auch Therapeuten und Ärzte.

Behalte auch mal etwas für dich:

Bei kleinen Geheimnissen, vielleicht sogar schönen Neuigkeiten, die aber noch nicht offiziell sind, gilt: Widerstehe dem Drang, selbst wenn das Geheimnis mal wieder in deinem Bauch brodelt und Radau macht… Lass’ es nicht heraus, sondern ignoriere das Gefühl! Es gibt genug Dinge, über die du mit deiner Freundin/Freund reden kannst, es muss nicht immer das neuste Geheimnis sein.

Ich kann dir garantieren, dass es sogar stolz macht und das Selbstwertgefühl steigert, wenn du dem Drang widerstanden hast. Zu wissen, dass man Geheimnisse anderer für sich behalten kann, ist ein schönes Gefühl und sollte eigentlich selbstverständlich sein.

Na klar: Es wird immer wieder Situationen geben, in denen du dich wohl fühlst, vielleicht auch schon ein Gläschen getrunken hast und dann ganz sicher bist: Das Geheimnis muss jetzt raus und ist ganz sicher gut aufgehoben.

Dann denke kurz an diesen Artikel – Geheimnisse sind nur so lange welche, bis sie erzählt werden…

 

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